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 St. Cyriacus- und Pancratius-Kirche

 


Die Talheimer Kirche wird um ihrer Lage willen allgemein "Bergkirche" genannt. Am östlichen Dorfrand thront sie weithin sichtbar auf einem Bergsporn.

873 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Ihre heutige Größe dürfte sie seit dem frühen 15. Jahrhundert haben. Ursprünglich als "Eigenkirche" der adligen Ortsherrschaft erbaut, wurde sie mit der Durchführung der Reformation 1534 zur allgemeinen evangelischen Dorfkirche erklärt. Bis 1865 blieb sie jedoch auch für die umliegenden katholischen Gemeinden der Alb, der Rottenburger und Hechinger Gegend jährlich ein beliebtes Wallfahrtsziel. Anlass waren ein geschnitztes Andachtsbild aus gotischer Zeit, eine Pietà, und der berühmte 1518 gestiftete Talheimer Altar. Die Pietà befindet sich heute in der Kapelle von Schloss Lichtenstein, der Talheimer Altar ist seit 1844 im Alten Schloss in Stuttgart zu besichtigen. Von 1966 - 1969 wurde die Kirche völlig verändert. Die Längsempore wurde abgebaut, Orgel und Kanzel versetzt, wodurch der gotische Chorbogen mit alten Wandmalereien wieder sichtbar wurde und seitdem die ganze Kirche viel freundlicher wirkt.

Unmittelbar neben der Kirche befand sich bis 1610 ein kleines Beginenkloster, eine geistliche Frauengemeinschaft nach der 3. Regel des Franz von Assisi lebend. Die Gebäude standen bis ins 18. Jahrhundert hinein.

Im Kirchturm befinden sich eine Uhr nur mit Schlagwerk versehen (ohne Ziffernblatt) und ein harmonisches Geläut von 3 Glocken. Sie mussten alle nach dem Krieg erneuert werden. Die älteste um das Jahr 1430 gegossene Glocke musste auch für die Waffenherstellung im Krieg abgeliefert werden, blieb aber erhalten und gelangte auf abenteuerliche Weise, allerdings beschädigt wieder nach Talheim. Sie ist auf dem oberen Kirchhof aufgestellt.

Seit der grundlegenden Umgestaltung der Kirche kommen die Kunstwerke gut zur Geltung: Reste alter Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts im Chorbogen und Chorraum. Drei große Renaissancegrabmale örtlicher Adligen, dem Meister Christoph Jelin zugeschrieben. Auf der Südseite zwei runde Toten- und Ehrenschilde des Ortsadels.

Eine Lehrtafel aus der Barockzeit demonstriert die zwei Verhaltensweisen des Menschen. Die Gebundenheit an die Welt sowie die Freiheit zu Gott und die Erlösung durch Christus.

Die Empore wird von gewundenen Holzsäulen getragen, an welchen oben geschnitzte Figuren angebracht sind, Christus und die Evangelisten. Die Emporbrüstung enthält Holzbilder vom Ende des 18. Jahrhunderts, Christus und die zwölf Jünger darstellend.